Globuli bei Reisekrankheit: Cocculus, Tabacum & Co. und was bei Übelkeit auf Reisen wirklich hilft
Kaum losgefahren, schon wird dir flau im Magen? Hier erfährst du, welche Globuli bei Reisekrankheit genannt werden, was die Studienlage sagt und welche Tricks dir im Auto, auf dem Schiff und im Flugzeug tatsächlich helfen.

Worum geht es bei der Reisekrankheit?
Reisekrankheit (Kinetose) entsteht, wenn dein Gehirn widersprüchliche Signale bekommt. Die Augen sehen zum Beispiel ein ruhiges Autoinneres. Dein Gleichgewichtsorgan im Ohr spürt aber Kurven, Bremsen und Schaukeln. Das verwirrt das Gehirn. Es reagiert mit Schwindel, Schweißausbruch, Blässe, Übelkeit und manchmal Erbrechen.
Betroffen sind Menschen jeden Alters. Kinder zwischen etwa zwei und zwölf Jahren haben es oft besonders schwer. Kleinkinder unter zwei Jahren sind selten betroffen. Wer selbst fährt, hat meist weniger Probleme, weil er die Bewegung vorhersehen kann.
Welche Globuli werden bei Reisekrankheit genannt?
Die drei folgenden Mittel beschreibt Boericke mit Bezug zu Fahrt- oder Seekrankheit. Eigene Artikel gibt es dazu noch nicht.
| Mittel | Wird genannt bei … |
|---|---|
| Cocculus indicus | Übelkeit und Schwindel beim Fahren oder auf dem Schiff, auch schon beim Anblick eines bewegten Bootes |
| Tabacum | Seekrankheit mit Blässe, kaltem Schweiß und einem starken Schwächegefühl in der Magengrube |
| Petroleum | Beschwerden beim Fahren in Wagen, Kutsche oder auf dem Schiff, Schwindel beim Aufstehen, Übelkeit mit viel Speichel im Mund |
Cocculus gilt in der Homöopathie als das klassische Reisemittel. Boericke schreibt, alle Beschwerden seien schlimmer beim Fahren im Wagen oder auf einem Schiff, deshalb werde es bei Seekrankheit genutzt. Er nennt Schwindel und Übelkeit, vor allem beim Fahren oder Aufsitzen, und eine Verschlechterung durch Schlafmangel.
Tabacum beschreibt Boericke mit Übelkeit, Schwindel, auffälliger Blässe, Erbrechen, Kälte und Schweiß. Besserung sehe man beim Aufdecken des Bauches und an frischer Luft.
Petroleum nennt er bei Beschwerden „from riding in cars, carriages, or ships“. Dazu kommt ein Schwindel beim Aufstehen, der an Seekrankheit erinnert.
Mittel, die allgemein bei Übelkeit genannt werden, findest du zum Beispiel bei Ipecacuanha. Mehr zur Einnahme steht in Globuli Anwendung.
Dosierung und Potenzen
Boericke nennt für Cocculus die dritte bis dreißigste Potenz, für Tabacum und Petroleum auch höhere Potenzen. Wie oft und wann du ein Mittel einnimmst, steht in der Packungsbeilage. Halte dich daran. Bei Kindern frag in der Kinderarztpraxis oder Apotheke nach.
Was sagt die Forschung?
Wichtig zu wissen: Die Beschwerden lassen meist bald von selbst nach, wenn die Bewegung endet. So kann leicht der Eindruck entstehen, ein Mittel habe geholfen.
Was bei Reisekrankheit sonst noch hilft
Vorbeugen und unterwegs:
- Blick zum Horizont. Schau in die Ferne auf einen festen Punkt. Dann passen das, was deine Augen sehen, und das, was dein Gleichgewichtssinn spürt, besser zusammen.
- Vorne sitzen. Im Auto ist der Beifahrersitz oder die Mitte der Rückbank besser als außen hinten. Im Bus sitzt du am besten vorne, im Zug in Fahrtrichtung. Auf dem Schiff ist ein Platz mittig auf einem niedrigen Deck günstig, im Flugzeug einer über den Tragflächen.
- Nicht lesen, kein Handy, kein Tablet. Der Blick auf etwas Nahes verstärkt den Konflikt.
- Frische Luft. Lüften oder das Fenster öffnen, starke Gerüche meiden.
- Leicht essen. Iss vor der Reise nichts Fettiges oder Schweres, fahr aber auch nicht nüchtern los. Verzichte auf Alkohol. Kleine Schlucke Wasser können guttun.
- Pausen machen, wenn es geht, und kurz an die frische Luft gehen.
- Gut ausgeschlafen starten.
Ingwer: Ingwer ist ein beliebtes Hausmittel, zum Beispiel als Tee, Kapsel oder Bonbon. Die Studien dazu sind uneinheitlich. Er ist meist gut verträglich, ein sicherer Schutz ist er aber nicht. Wenn du schwanger bist oder blutverdünnende Medikamente nimmst, frag vor Ingwerkapseln in der Apotheke nach.
Medikamente:
- Antihistaminika wie Dimenhydrinat gibt es rezeptfrei in der Apotheke, zum Beispiel als Tabletten, Kaugummi oder Zäpfchen. Sie werden vor der Reise eingenommen. Sie machen oft müde und können Mundtrockenheit verursachen. Wer selbst fährt, sollte sie nicht nehmen. Alkohol verstärkt die Müdigkeit. Kinder reagieren manchmal umgekehrt mit Unruhe. Bei Vorerkrankungen, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit lass dich vorher beraten.
- Scopolamin-Pflaster sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Du klebst sie einige Stunden vor der Reise hinter das Ohr. Mögliche Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Sehstörungen und Müdigkeit. Wasch dir nach dem Aufkleben gründlich die Hände, denn Reste am Auge können die Pupille erweitern. Bei Grünem Star oder Prostatavergrößerung ist Vorsicht nötig. Selbst Auto fahren solltest du damit nicht. Ob das Pflaster für dich passt, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt. Bei Kindern ist es nur eingeschränkt geeignet.
Bei Kindern:
- Setze das Kind in die Mitte der Rückbank. Ein erhöhter Kindersitz hilft beim Blick nach draußen durch die Frontscheibe.
- Spiele Ratespiele wie „Ich sehe was, was du nicht siehst“ statt Bilderbuch oder Tablet.
- Plane Pausen und frische Luft ein.
- Gib Kindern Medikamente nur nach Rat der Kinderarztpraxis oder Apotheke. Achte auf die Alters- und Gewichtsangaben in der Packungsbeilage. Mehr zu Kleinkindern findest du bei Globuli für Babys.
Bei Tieren: Auch Hunde können reisekrank werden. Gewöhne sie mit kurzen Fahrten langsam ans Auto. Gib ihnen keine Medikamente für Menschen. Frag in der Tierarztpraxis nach, was für dein Tier geeignet ist.
Häufige Fragen
Welche Globuli werden bei Reisekrankheit am häufigsten genannt?
Am häufigsten genannt wird Cocculus. Auch Tabacum und Petroleum tauchen bei Boericke im Zusammenhang mit Fahrt- und Seekrankheit auf. Ein Wirknachweis fehlt für alle.
Wann sollte ich Globuli vor der Reise nehmen?
Wann und wie oft du ein Mittel nimmst, steht in der Packungsbeilage. Halte dich daran und frag bei Kindern in der Apotheke oder Kinderarztpraxis nach.
Hilft Ingwer wirklich?
Die Studien sind uneinheitlich. Ingwer ist ein meist gut verträgliches Hausmittel, aber kein sicherer Schutz.
Sind Antihistaminika wie Dimenhydrinat für Autofahrer geeignet?
Nein. Sie machen oft müde und können die Fahrtüchtigkeit stark einschränken. Lass dich dann besser fahren.
Was hilft Kindern bei Reisekrankheit?
Frische Luft, ein Platz in der Mitte der Rückbank, Blick in die Ferne und Pausen. Medikamente gibst du nur nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis oder Apotheke.


