Willkommen! Wir erklären Globuli und ihre Anwendung in der Homöopathie. Gut zu wissen: Eine Wirkung homöopathischer Mittel ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Unsere Artikel informieren, ersetzen aber keinen Arztbesuch. So arbeiten wir

Cocculus Globuli: Kokkelskörner bei Reiseübelkeit und Schlafmangel

Cocculus gilt in der Homöopathie als klassisches Mittel für Reiseübelkeit und durchwachte Nächte. Dabei stammt es aus einer giftigen Pflanze. Hier erfährst du, was dahintersteckt und was dir unterwegs wirklich hilft.

Von Sebastian Beier · Zuletzt geprüft am

Ein Segelschiff auf ruhigem Meer bei Sonnenschein, im Vordergrund ein Holzbrett mit getrockneten, runzligen dunklen Kokkelskörnern

Was ist Cocculus?

Cocculus, auch Cocculus indicus oder Kokkelskörner genannt, stammt von Anamirta cocculus. Das ist eine Schlingpflanze aus Süd- und Südostasien. Ihre kleinen, runzligen Früchte enthalten Picrotoxin. Das ist ein starkes Nervengift. Es kann Krämpfe auslösen. Früher wurden die Früchte sogar zum Betäuben von Fischen verwendet.

Wofür wird Cocculus in der Homöopathie eingesetzt?

Boericke beschreibt Cocculus als Mittel für viele krampfartige und lähmungsartige Beschwerden, oft auf einer Körperhälfte. Außerdem schreibt er, dass viele Folgen von Nachtwachen in seinen Wirkbereich fallen. Alle Beschwerden sind laut Boericke schlimmer beim Fahren im Wagen oder auf dem Schiff. Daher wird Cocculus in der Homöopathie bei Seekrankheit genannt. Boericke erwähnt unter anderem:

  • Schwindel und Übelkeit, besonders beim Fahren oder beim Aufsetzen
  • Übelkeit beim Fahren in Wagen oder Boot und sogar beim Anblick eines fahrenden Bootes
  • Beschwerden nach Schlafverlust und Nachtwachen
  • ein Gefühl von Leere oder Hohlheit, Benommenheit und eine Schwäche, bei der man nicht laut sprechen mag
  • Abneigung gegen Essen und Trinken, Ekel vor dem Geruch von Speisen

Zum Gemütszustand nennt Boericke unter anderem tiefe Traurigkeit, Empfindlichkeit gegen Widerspruch und große Sorge um die Gesundheit anderer. Diese Angaben stammen aus dem Jahr 1927. Sie beschreiben die homöopathische Lehre und sind keine medizinische Aussage.

Dosierung und Potenzen

Cocculus gibt es als Globuli in verschiedenen D-Potenzen, zum Beispiel D6 oder D12, manchmal auch als C-Potenz. Boericke nennt als Dosis die dritte bis dreißigste Potenz. Wie oft und wie viel, unterscheidet sich je nach Präparat. Halte dich an die Packungsbeilage. Wie Potenzen funktionieren, erklärt der Artikel zu den D6-Globuli. Allgemeine Hinweise zur Einnahme findest du unter Globuli Anwendung.

Was sagt die Forschung?

Nebenwirkungen und Hinweise

Bei höheren Potenzen sind keine Nebenwirkungen durch den Ausgangsstoff zu erwarten. Globuli bestehen aus Zucker (Saccharose). Das ist wichtig bei Diabetes oder einer Zuckerunverträglichkeit. Tropfen enthalten meist Alkohol. In der Urtinktur und in sehr niedrigen Potenzen kann noch Picrotoxin enthalten sein, deshalb sind sie nicht für die Selbstbehandlung geeignet. Frag in der Schwangerschaft und bei Kindern vorher in der Apotheke oder ärztlich nach. Übelkeit in der Schwangerschaft besprichst du am besten mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme.

Was bei Reiseübelkeit und Schlafmangel hilft

Nach der gängigen Erklärung entsteht Reiseübelkeit, weil Augen und Gleichgewichtsorgan dem Gehirn widersprüchliche Signale senden. Diese Tipps helfen vielen Menschen:

  • Blick in die Ferne: Schau auf den Horizont oder nach vorn auf die Straße. Lies nicht und schau nicht aufs Handy.
  • Kopf ruhig halten: Lehn den Kopf an die Kopfstütze. Manchen hilft es auch, die Augen zu schließen.
  • Guter Platz: Im Auto vorn oder selbst am Steuer. Im Bus vorn, im Zug in Fahrtrichtung. Auf dem Schiff mittschiffs und möglichst weit unten nahe der Wasserlinie, an Deck mit frischer Luft. Im Flugzeug über den Tragflächen.
  • Frische Luft und ein ruhiger Fahrstil mit wenig scharfem Bremsen.
  • Leichte Mahlzeit vorher. Verzichte auf fettiges Essen, große Portionen und Alkohol.
  • Pausen bei langen Autofahrten, mit ein paar Schritten an der frischen Luft.
  • Arzneimittel: In der Apotheke gibt es Mittel mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat. Sie machen oft müde. Danach solltest du nicht selbst fahren. Für Kinder gelten Altersgrenzen. Pflaster mit Scopolamin sind verschreibungspflichtig. Lass dich in der Apotheke oder ärztlich beraten.

Bei Schlafmangel hilft vor allem Schlaf. Feste Schlafzeiten, ein dunkles, ruhiges und kühles Zimmer und wenig Koffein ab dem Nachmittag sind gute Grundlagen. Nach einer durchwachten Nacht kann ein kurzes Nickerchen am frühen Nachmittag helfen. Wenn du aber schlecht ein- oder durchschläfst, lässt du Nickerchen tagsüber besser weg. Setz dich übermüdet nicht ans Steuer, denn Sekundenschlaf ist gefährlich. Bei anhaltenden Schlafstörungen empfiehlt die Leitlinie als erste Wahl die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I). Bei ständiger Müdigkeit ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Mehr dazu liest du bei Globuli gegen Abgeschlagenheit.

Häufige Fragen

Hilft Cocculus bei Reiseübelkeit?

Ein Nutzen ist nicht belegt. In der Homöopathie wird Cocculus für diesen Zweck genannt. Bewährte Tipps sind der Blick zum Horizont, frische Luft, ein guter Sitzplatz und eine leichte Mahlzeit vorher.

Ist Cocculus giftig?

Die Pflanze ist giftig, weil sie Picrotoxin enthält. Höhere Potenzen sind so stark verdünnt, dass keine Vergiftung zu erwarten ist. Urtinktur und sehr niedrige Potenzen sind nicht für die Selbstbehandlung geeignet.

Kann ich Cocculus bei Schwindel nehmen?

Lass Schwindel zuerst ärztlich abklären, wenn er ohne erkennbaren Anlass wie eine Fahrt auftritt. Ursachen können zum Beispiel der Kreislauf, das Innenohr, Medikamente oder das Nervensystem sein.

Was ist der Unterschied zu Nux vomica und Ipecacuanha?

In der Homöopathie werden auch Nux vomica und Ipecacuanha bei Übelkeit genannt. Jedes hat ein eigenes Arzneimittelbild. Eine belegte Wirkung gibt es bei keinem von ihnen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Gesetzliche Krankenkassen erstatten seit dem 30. Juli 2026 keine homöopathischen Arzneimittel mehr. Private Versicherungen und Zusatztarife regeln das unterschiedlich.