Willkommen! Wir erklären Globuli und ihre Anwendung in der Homöopathie. Gut zu wissen: Eine Wirkung homöopathischer Mittel ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Unsere Artikel informieren, ersetzen aber keinen Arztbesuch. So arbeiten wir

Lycopodium Globuli: Herkunft, Anwendung und was sie beim Abnehmen bringen

Lycopodium gehört zu den großen „Polychresten“ der Homöopathie und wird gern bei Blähungen, Völlegefühl und Heißhunger genannt. Was steckt hinter dem Mittel aus Bärlapp-Sporen?

Von Sebastian Beier · Zuletzt geprüft am

Keulen-Bärlapp mit aufrechten gelblichen Sporenähren auf moosigem Waldboden

Woher kommt Lycopodium?

Der Keulen-Bärlapp ist kein Moos, auch wenn er umgangssprachlich „Schlangenmoos“ heißt. Bärlappe gehören zu den ältesten Landpflanzen der Erde: Ihre Verwandten bildeten vor rund 300 Millionen Jahren baumhohe Wälder, aus denen ein Teil unserer Steinkohle entstanden ist. Heute kriecht die Pflanze mit langen, immergrünen Trieben über den Boden von Nadelwäldern und Heiden. Im Sommer bildet sie aufrechte, gelbliche Sporenähren.

Diese Sporen sind ein feines, gelbes, wasserabweisendes Pulver. Früher wurde es als „Hexenmehl“ für Stichflammen auf Theaterbühnen genutzt, in Apotheken zum Bepudern von Pillen und auf Wunden. In Deutschland stehen alle heimischen Bärlapp-Arten unter besonderem Artenschutz. Sammeln ist deshalb verboten.

Für die Homöopathie werden die Sporen mit Milchzucker verrieben. Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, hielt Lycopodium für ein Beispiel dafür, dass ein im Rohzustand „unwirksamer“ Stoff erst durch das Potenzieren wirksam werde. Das ist ein Kernsatz der homöopathischen Lehre, wissenschaftlich aber nicht belegt.

Wofür wird Lycopodium in der Homöopathie eingesetzt?

Lycopodium gilt als „Polychrest“, also als Mittel mit sehr vielen Anwendungsgebieten. Klassische Arzneimittellehren wie die von William Boericke beschreiben es unter anderem bei:

  • Blähungen, Völlegefühl und Sodbrennen, besonders am späten Nachmittag
  • Heißhunger, der nach wenigen Bissen in Sättigung umschlägt
  • Verstopfung
  • Beschwerden der rechten Körperseite, Leber und Galle
  • Unsicherheit, Lampenfieber und Prüfungsangst bei äußerlich selbstbewusst wirkenden Menschen

Beim Abnehmen wird Lycopodium wegen des Leitsymptoms „schnell satt“ empfohlen. Daraus wird in vielen Ratgebern abgeleitet, das Mittel könne das Sättigungsgefühl verstärken. Das ist eine Übertragung aus dem homöopathischen Arzneimittelbild, keine nachgewiesene Wirkung.

Dosierung und Potenzen

Lycopodium gibt es als Globuli, Tabletten und Dilution in vielen Potenzen. Am häufigsten sind D6, D12 und C30. Übliche Herstellerangaben bei Selbstbehandlung: 5 Globuli 1- bis 3-mal täglich, bei Besserung seltener. Hochpotenzen wie C200 werden in der klassischen Homöopathie nur einzeln und von Therapeutinnen oder Therapeuten gegeben. Halte dich an die Angaben auf der Packung.

Was sagt die Forschung?

In der Pflanze selbst stecken Alkaloide wie Lycopodin, die in größeren Mengen giftig sind. Für die Sporen, aus denen das homöopathische Mittel hergestellt wird, spielen sie kaum eine Rolle, und in den üblichen Potenzen ist ohnehin praktisch nichts mehr davon enthalten.

Nebenwirkungen und Hinweise

Für Lycopodium-Globuli in den üblichen Potenzen sind keine Nebenwirkungen bekannt. Sie bestehen aus Saccharose, Tabletten meist aus Milchzucker. In homöopathischen Ratgebern wird eine „Erstverschlimmerung“ beschrieben. Wenn sich Beschwerden verschlechtern, ist das kein gutes Zeichen, sondern ein Grund, das Mittel abzusetzen und ärztlich abklären zu lassen.

Was bei Blähungen und beim Abnehmen sonst noch hilft

Bei Blähungen helfen langsames Essen und gründliches Kauen, weniger kohlensäurehaltige Getränke und ein Ernährungstagebuch, um Auslöser wie Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln oder Zuckeraustauschstoffe zu erkennen. Bewegung nach dem Essen, etwa ein kurzer Spaziergang, bringt den Darm in Schwung. Tees mit Fenchel, Anis und Kümmel werden traditionell eingesetzt und sind gut verträglich.

Beim Abnehmen sorgt nicht ein Mittel für mehr Sättigung, sondern das, was auf dem Teller liegt: viel Gemüse, Eiweiß und Ballaststoffe, wenig stark verarbeitete Lebensmittel. Ein moderates Kaloriendefizit von etwa 500 kcal am Tag führt langsam, aber dauerhaft zum Ziel. Alles dazu im Ratgeber Gesund abnehmen. Weitere Mittel, die zum Abnehmen genannt werden, findest du in der Liste der Globuli zum Abnehmen.

Häufige Fragen

Hilft Lycopodium beim Abnehmen?

Dafür gibt es keinen Beleg. Die Empfehlung beruht auf dem homöopathischen Arzneimittelbild „schnell satt“, nicht auf Studien. Abnehmen gelingt über ein Kaloriendefizit, das du über Ernährung und Bewegung erreichst.

Welche Potenz von Lycopodium nimmt man?

Für die Selbstbehandlung werden meist D6 oder D12 angeboten, seltener C30. Ein Unterschied in der Wirkung zwischen den Potenzen ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Ist Lycopodium dasselbe wie Moos?

Nein. Der Bärlapp sieht moosartig aus, gehört aber zu einer eigenen, sehr alten Pflanzengruppe, den Bärlappgewächsen. Homöopathisch verwendet werden nur die Sporen.

Darf man Lycopodium Babys bei Blähungen geben?

Für Babys gibt es keinen Wirknachweis. Wenn dein Baby viel schreit, nicht trinkt, Fieber hat, erbricht oder nicht zunimmt, gehört es in die Kinderarztpraxis. Mehr dazu im Artikel Globuli für Babys.

Kann man Lycopodium mit Nux vomica kombinieren?

In homöopathischen Ratgebern werden beide Mittel bei Verdauungsbeschwerden oft im Wechsel genannt. Mehr über Nux vomica liest du im eigenen Artikel.