Globuli in den Wechseljahren: Lachesis, Sepia & Co. und was gegen Hitzewallungen hilft
Hitzewallungen, schlechter Schlaf, Stimmungstiefs: Die Wechseljahre bringen viele Frauen ganz schön ins Schwitzen. Hier erfährst du, welche Globuli in der Homöopathie genannt werden, was die Forschung dazu sagt und welche Maßnahmen dir nachweislich Erleichterung bringen.

Was passiert in den Wechseljahren?
Die Wechseljahre (Klimakterium) sind die Jahre, in denen die Eierstöcke ihre Hormonproduktion langsam herunterfahren. Das ist keine Krankheit, sondern eine natürliche Lebensphase. Die Menopause ist die letzte Regelblutung. Sie lässt sich erst im Rückblick festlegen, wenn ein Jahr lang keine Blutung mehr kam. Bei den meisten Frauen liegt sie um das 50. Lebensjahr.
Schon Jahre vorher, in der Perimenopause, schwankt der Hormonspiegel stark. Typische Beschwerden sind:
- Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen
- Schlafstörungen und Müdigkeit
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, gedrückte Stimmung
- unregelmäßige, mal stärkere, mal schwächere Blutungen
- trockene Scheide, Schmerzen beim Sex, häufiger Harndrang
- Gelenk- und Muskelschmerzen
Manche Frauen merken kaum etwas, andere leiden stark und über viele Jahre. Beides ist normal, und für beides gibt es gute Unterstützung. Gut zu wissen: In der Perimenopause ist eine Schwangerschaft noch möglich. Wenn du nicht schwanger werden möchtest, bleibt Verhütung bis zur Menopause wichtig.
Welche Globuli werden in den Wechseljahren empfohlen?
| Mittel | Wird genannt bei … |
|---|---|
| Lachesis | Hitzewallungen mit Herzklopfen, Kopfdruck, Unverträglichkeit enger Kleidung |
| Sepia | Hitzewallungen mit Schwäche und Schweiß, Erschöpfung, Gereiztheit |
| Sanguinaria | Hitzewallungen mit roten Wangen, brennenden Handflächen und Fußsohlen |
| Cimicifuga | Unruhe, gedrückter Stimmung, Schlaflosigkeit, Muskelschmerzen |
| Pulsatilla | wechselhafter, weinerlicher Stimmung |
| Ignatia | Stimmungsschwankungen nach Kummer |
| Coffea | Einschlafproblemen bei kreisenden Gedanken |
Lachesis wird aus dem Gift der Buschmeisterschlange hergestellt. Boericke nennt es „sehr wichtig“ für die Wechseljahre. Er beschreibt Herzklopfen, Hitzewallungen, Blutungen, Kopfschmerz am Scheitel und Ohnmachtsanfälle, verschlimmert durch den Druck von Kleidung. Typisch sei, dass nichts Enges am Körper ertragen wird und die Beschwerden nach dem Schlafen schlimmer sind.
Sepia wird aus der Tinte des Tintenfischs gewonnen. Boericke beschreibt Hitzewallungen in der Menopause mit Schwäche und Schweiß. Dazu passen nach seiner Darstellung ein Gefühl, als ob alles nach unten drängt, Frösteln selbst im warmen Raum sowie Gleichgültigkeit gegenüber der Familie und Gereiztheit. Besserung bringe Bewegung.
Sanguinaria (Kanadische Blutwurzel) zeigt laut Boericke ausgeprägte Gefäßreaktionen: umschriebene Röte der Wangen, Hitzewallungen, Blutandrang zum Kopf und Brennen in Handflächen und Fußsohlen. Er schreibt, es habe sich bei Wechseljahresbeschwerden als gut anwendbar erwiesen, und nennt Kopfschmerzen, die in dieser Zeit wiederkehren.
Cimicifuga beschreibt Boericke als Mittel für nervöse Menschen mit Beschwerden der Eierstöcke und der Gebärmutter, mit großer Niedergeschlagenheit, Schlaflosigkeit und Muskelschmerzen. In der homöopathischen Praxis wird es deshalb auch in den Wechseljahren genannt. Wichtig: Die homöopathisch verdünnte Cimicifuga ist etwas ganz anderes als ein pflanzlicher Extrakt aus Traubensilberkerze. Dazu mehr weiter unten.
Für die Auswahl orientieren sich Homöopathinnen an diesen Arzneimittelbildern. Hersteller nennen meist niedrige bis mittlere Potenzen wie D6 oder D12. Halte dich an die Packungsbeilage. Mehr zu den Potenzen findest du unter D12 Globuli.
Was sagt die Forschung?
Dass sich viele Frauen nach Globuli besser fühlen, ist trotzdem gut nachvollziehbar. Hitzewallungen kommen in Wellen und schwanken stark. Auch in Studien bessern sie sich unter Placebo deutlich. Zuwendung, ein ausführliches Gespräch und das Gefühl, selbst etwas zu tun, tun ebenfalls gut.
Was in den Wechseljahren sonst noch hilft
Hormontherapie: Laut S3-Leitlinie ist sie die wirksamste Behandlung gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Frauen mit Gebärmutter brauchen zum Östrogen zusätzlich ein Gestagen, um die Gebärmutterschleimhaut zu schützen. Eine Hormontherapie hat auch Risiken: Die Kombination aus Östrogen und Gestagen erhöht bei längerer Anwendung das Brustkrebsrisiko leicht, Östrogen als Tablette erhöht das Thromboserisiko. Östrogen über die Haut (Gel, Pflaster) gilt hier als günstiger. Ob eine Hormontherapie für dich passt, besprichst du am besten in deiner frauenärztlichen Praxis.
Hormonfreie Medikamente: Wer keine Hormone nehmen darf oder möchte, hat Alternativen. Bestimmte Antidepressiva (SSRI, SNRI) und Gabapentin können Hitzewallungen verringern, sind dafür in Deutschland aber meist nicht zugelassen. Neu ist Fezolinetant, ein hormonfreies Mittel, das gezielt im Wärmezentrum des Gehirns ansetzt. Dabei werden die Leberwerte regelmäßig kontrolliert.
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Die Leitlinie nennt sie als wirksame Möglichkeit. Sie senkt vor allem, wie stark dich Hitzewallungen belasten. Außerdem hilft KVT bei Schlafstörungen und gedrückter Stimmung. Mehr dazu in Globuli bei Schlafstörungen.
Traubensilberkerze (Cimicifuga, botanisch Actaea racemosa): Die EMA führt Extrakte aus der Wurzel als bewährtes pflanzliches Arzneimittel bei Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und starkem Schwitzen. Auch die Leitlinie nennt sie als mögliche Option. Selten sind Leberschäden beschrieben. Setz das Mittel ab und geh zum Arzt, wenn du gelbe Haut oder Augen, dunklen Urin, Schmerzen im Oberbauch oder starke Müdigkeit bemerkst. Bei Lebererkrankungen sprich vorher mit deiner Praxis.
Im Alltag:
- Zwiebellook: mehrere dünne Schichten, die du schnell ablegen kannst.
- Kühles Schlafzimmer, leichte Bettdecke, ein Glas Wasser am Bett.
- Auslöser beobachten: Alkohol, scharfes Essen, heiße Getränke und Stress verstärken Wallungen bei manchen Frauen.
- Nicht rauchen: Rauchen ist mit stärkeren Hitzewallungen verbunden.
- Bei Übergewicht kann Abnehmen die Beschwerden bei manchen Frauen lindern. Tipps findest du unter Gesund abnehmen.
- Bewegung und Krafttraining tun Stimmung, Schlaf, Herz und Knochen gut. Nach der Menopause steigt das Risiko für Osteoporose.
Bei trockener Scheide: Feuchtigkeitsgele und Gleitmittel aus der Apotheke. Sehr gut wirken niedrig dosierte Östrogen-Cremes oder -Zäpfchen für die Scheide, die nur wenig in den Körper übergehen.
Häufige Fragen
Welche Globuli helfen am besten bei Hitzewallungen?
Für keines ist eine Wirkung nachgewiesen. In der Homöopathie werden am häufigsten Lachesis, Sepia und Sanguinaria genannt. Am stärksten lindert laut Leitlinie eine Hormontherapie, daneben gibt es hormonfreie Medikamente.
Ist Traubensilberkerze dasselbe wie Cimicifuga-Globuli?
Nein. Pflanzliche Präparate enthalten einen messbaren Extrakt aus der Wurzel. Homöopathische Cimicifuga ist so stark verdünnt, dass in höheren Potenzen kaum oder gar nichts mehr vom Ausgangsstoff enthalten ist.
Wie lange dauern die Wechseljahre?
Das ist sehr unterschiedlich. Hitzewallungen halten bei vielen Frauen mehrere Jahre an, bei manchen deutlich länger.
Ist eine Hormontherapie gefährlich?
Sie hat Risiken, die von Alter, Dauer, Art der Hormone und deiner Vorgeschichte abhängen. Für viele gesunde Frauen unter 60 oder in den ersten zehn Jahren nach der Menopause überwiegt bei starken Beschwerden der Nutzen. Das klärst du am besten individuell in der Praxis.
Zahlt die Krankenkasse Globuli in den Wechseljahren?
Nein. Gesetzliche Krankenkassen erstatten seit dem 30. Juli 2026 keine homöopathischen Arzneimittel mehr.


