Willkommen! Wir erklären Globuli und ihre Anwendung in der Homöopathie. Gut zu wissen: Eine Wirkung homöopathischer Mittel ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Unsere Artikel informieren, ersetzen aber keinen Arztbesuch. So arbeiten wir

Globuli als Stimmungsaufheller: was bei Winterblues und Niedergeschlagenheit genannt wird

Wenn die Tage kurz und grau werden, sinkt bei vielen auch die Stimmung. Hier erfährst du, welche Globuli in der Homöopathie dafür genannt werden, was wirklich guttut und woran du merkst, dass mehr dahintersteckt als ein Wintertief.

Von Sebastian Beier · Zuletzt geprüft am

Person in warmer Jacke geht an einem hellen Wintermorgen durch einen Park mit tief stehender Sonne.

Worum geht es: Winterblues oder Depression?

Fast jeder kennt Tage, an denen alles schwer wirkt. Im Herbst und Winter kommt das bei vielen häufiger vor. Weniger Tageslicht, Kälte und weniger Zeit draußen drücken auf die Stimmung. Man ist müder, hat mehr Appetit auf Süßes und zieht sich lieber aufs Sofa zurück. Das nennt man umgangssprachlich Winterblues. Er ist unangenehm, aber keine Krankheit. Meist bleibt der Alltag machbar, und es gibt zwischendurch gute Tage.

Eine Depression ist etwas anderes. Sie ist eine ernsthafte, gut behandelbare Erkrankung. Typisch sind diese Hauptzeichen, die über mindestens zwei Wochen anhalten:

  • gedrückte, niedergeschlagene Stimmung an den meisten Tagen
  • Verlust von Freude und Interesse, auch an Dingen, die dir sonst wichtig sind
  • Antriebslosigkeit und schnelle Erschöpfung

Dazu kommen oft Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Schuldgefühle, ein geringes Selbstwertgefühl, Hoffnungslosigkeit und manchmal Gedanken an den Tod.

Kehren solche Phasen jedes Jahr im Herbst oder Winter wieder, spricht man von einer saisonalen Depression oder Winterdepression. Auch sie ist eine Erkrankung und gehört in ärztliche Hände.

Welche Globuli werden bei Niedergeschlagenheit empfohlen?

In homöopathischen Ratgebern tauchen bei Kummer und gedrückter Stimmung immer wieder dieselben Mittel auf. Die Auswahl richtet sich in der Lehre nach dem „Gemütsbild“. Wie die Mittel dort beschrieben werden, zeigt das klassische Nachschlagewerk von Boericke:

MittelWird genannt bei …
IgnatiaKummer, Enttäuschung und Schock; wechselnder Stimmung, stillem Grübeln, Seufzen; Schlaflosigkeit aus Kummer
Natrium chloratumFolgen von Kummer, Schreck und Ärger; gedrückter Stimmung; Trost verschlimmert, Wunsch, allein zu weinen
Pulsatillaleichtem Weinen, rasch wechselnder Stimmung, Bedürfnis nach Mitgefühl; besser an der frischen Luft
Aurum metallicumtiefer Verzweiflung, Gefühl völliger Wertlosigkeit, Lebensüberdruss und Suizidgedanken. Nicht zur Selbstbehandlung: Solche Zustände sind ein Notfall.

Boericke beschreibt Ignatia bei „Folgen von Kummer und Sorge“, mit „wechselhafter Stimmung“ und Verschlechterung durch Kaffee und Tabak. Zu Natrium muriaticum, wie Natrium chloratum dort heißt, nennt er seelische Ursachen von Krankheit und den Satz „Trost verschlimmert“. Pulsatilla beschreibt er im Gemüt als „Apriltag“: Die Person weint leicht, ihre Stimmung wechselt rasch und sie braucht Mitgefühl.

Bei Aurum (Gold) beschreibt Boericke schwere Hoffnungslosigkeit bis hin zu Suizidgedanken und schreibt, dass viele Beschwerden nur im Winter auftreten. Genau das zeigt, warum Selbstbehandlung hier nicht passt: Solche Zustände sind ein Notfall und brauchen sofort menschliche und ärztliche Hilfe.

Bei der Dosierung homöopathischer Mittel nennen Hersteller meist bestimmte Potenzen und Mengen. Halte dich an die Packungsbeilage. Mehr zur Einnahme findest du unter Globuli Anwendung.

Was sagt die Forschung?

Warum fühlen sich trotzdem manche besser? Stimmung schwankt von selbst, und ein Wintertief bessert sich oft mit dem Frühling. Dazu kommt die Zuwendung: Wer sich bewusst um sich kümmert, ein ausführliches Gespräch führt und ein kleines Ritual pflegt, fühlt sich oft gestärkt. Das ist wertvoll. Es ersetzt bei einer Depression aber keine Behandlung.

Was bei Winterblues sonst noch hilft

Licht tanken:

  • Geh jeden Tag ins Tageslicht, am besten am Vormittag. Selbst ein bedeckter Wintertag ist draußen viel heller als ein beleuchteter Raum.
  • Bei einer saisonalen Depression kann Lichttherapie mit einer speziellen, sehr hellen Lampe sinnvoll sein. Meist wird sie morgens angewendet. Besprich das vorher ärztlich, vor allem bei Augenerkrankungen, bei einer bipolaren Erkrankung oder wenn du Medikamente nimmst, die lichtempfindlich machen.

Bewegen:

  • Regelmäßige Bewegung hebt nachweislich die Stimmung. Ein flotter Spaziergang reicht für den Anfang.
  • Am besten verbindest du beides: Bewegung draußen bei Tageslicht.

Struktur geben:

  • Feste Zeiten zum Aufstehen, Essen und Schlafengehen helfen deinem inneren Rhythmus.
  • Plane kleine, angenehme Dinge fest ein, auch wenn die Lust fehlt. Oft kommt die Freude erst beim Tun.
  • Ausgewogen essen, wenig Alkohol. Alkohol drückt die Stimmung zusätzlich.

In Kontakt bleiben:

  • Triff Freunde, ruf jemanden an, geh in einen Verein oder Kurs. Rückzug macht ein Tief meist tiefer.
  • Erzähl jemandem, wie es dir geht. Das ist kein Zeichen von Schwäche.

Hilfe annehmen:

  • Bei anhaltender Niedergeschlagenheit ist die Hausarztpraxis eine gute erste Anlaufstelle. Sie kann auch körperliche Ursachen prüfen, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion oder Blutarmut.
  • Eine Depression wird je nach Schwere mit Psychotherapie, Antidepressiva oder beidem behandelt. So empfiehlt es die Nationale VersorgungsLeitlinie.

Wenn dich vor allem Müdigkeit plagt, schau auch in Globuli gegen Abgeschlagenheit. Zum Thema Grübeln und Unruhe findest du mehr unter Globuli bei Angst.

Häufige Fragen

Gibt es Globuli als Stimmungsaufheller?

In der Homöopathie werden dafür vor allem Ignatia, Natrium chloratum und Pulsatilla genannt. Eine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus ist für keines davon belegt. Tageslicht, Bewegung und Kontakte sind die bessere Wahl.

Hilft Homöopathie gegen Depressionen?

Nein, dafür gibt es keine verlässlichen Belege. Eine Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, die mit Psychotherapie und bei Bedarf Medikamenten gut behandelt werden kann. Globuli sollten diese Behandlung nie ersetzen oder verzögern.

Ist Johanniskraut homöopathisch?

Nein. Johanniskraut-Extrakt ist ein pflanzliches Arzneimittel mit Wirkstoff und deshalb mit Wechselwirkungen, etwa mit der Pille, Blutverdünnern und Antidepressiva. Homöopathisches Hypericum ist stark verdünnt und nicht vergleichbar.

Woran erkenne ich, ob es nur Winterblues ist?

Beim Winterblues gibt es zwischendurch gute Tage und der Alltag klappt. Halten gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und Antriebslosigkeit länger als zwei Wochen an, lass das ärztlich abklären.

Bringt eine Tageslichtlampe etwas?

Bei einer saisonalen Depression ist Lichttherapie eine anerkannte Behandlung. Besprich sie am besten vorher ärztlich. Beim leichten Winterblues ist ein täglicher Spaziergang im Tageslicht ein guter, kostenloser Anfang.