Hypericum Globuli und Johanniskraut: Nervenverletzungen, Stimmung und Wechselwirkungen
Johanniskraut ist eine der am besten untersuchten Heilpflanzen überhaupt, als pflanzliches Mittel bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Als homöopathisches Hypericum wird es dagegen bei Nervenverletzungen gegeben. Zwei Welten mit einem Namen.

Was ist Johanniskraut?
Das Echte Johanniskraut blüht rund um den Johannistag am 24. Juni mit leuchtend gelben Blüten. Hält man ein Blatt gegen das Licht, sieht man winzige, durchscheinende Punkte, Öldrüsen, daher der Beiname „perforatum“ (durchlöchert). Zerreibt man die Blüten, färben sich die Finger rot. Das kommt vom Hypericin, das zusammen mit Hyperforin als Hauptwirkstoff gilt.
Pflanzlich oder homöopathisch?
| Johanniskraut-Extrakt | Hypericum-Globuli | |
|---|---|---|
| Anwendung | leichte bis mittelschwere Depression | Nervenverletzungen, Schmerzen |
| Dosis | meist 300–900 mg Extrakt pro Tag | stark verdünnt |
| Studien | viele, mit Nutzen | keine aussagekräftigen |
| Wechselwirkungen | zahlreiche, teils gefährlich | keine |
Johanniskrautöl (Rotöl) wird äußerlich bei Muskelschmerzen und kleinen Wunden verwendet.
Wofür wird Hypericum in der Homöopathie eingesetzt?
Boericke nennt Hypericum „das große Mittel bei Verletzungen von Nerven“, besonders an Fingern, Zehen und Nägeln, bei gequetschten Fingerspitzen, Stichwunden, Schmerzen nach Operationen und Schmerzen am Steißbein. Er behauptet sogar, es verhindere Wundstarrkrampf. Heute wird es genannt bei:
- eingeklemmten Fingern, Verletzungen an Nägeln
- Steißbeinprellung
- Nervenschmerzen nach Verletzungen oder Zahnbehandlungen
- Schmerzen nach Operationen
Dosierung
Globuli: meist D6 bis C30, 5 Globuli mehrmals täglich nach einer Verletzung. Extrakt: nach Packungsbeilage, die Wirkung setzt erst nach zwei bis vier Wochen ein. Halte dich an die Packungsbeilage.
Was sagt die Forschung?
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Homöopathische Globuli sind unbedenklich. Johanniskraut-Extrakt dagegen beschleunigt in der Leber den Abbau vieler Medikamente und macht sie dadurch weniger wirksam:
- Antibabypille und andere hormonelle Verhütungsmittel: Schutz vor Schwangerschaft kann verloren gehen.
- Blutverdünner wie Phenprocoumon, bestimmte Herzmittel, HIV-Medikamente, Immunsuppressiva nach Transplantationen, manche Krebsmedikamente.
- Mit anderen Antidepressiva kann ein gefährliches Serotonin-Syndrom entstehen.
- Johanniskraut macht die Haut lichtempfindlicher.
Was dir sonst noch hilft
- Bei eingeklemmtem Finger: Kühlen, hochlagern. Bei einem großen Bluterguss unter dem Nagel kann die Arztpraxis ihn entlasten. Bei Fehlstellung oder Bewegungseinschränkung röntgen lassen.
- Bei Steißbeinschmerzen: Sitzkissen mit Aussparung, Schmerzmittel, Geduld. Die Beschwerden halten oft Wochen an.
- Bei Depressionen: Psychotherapie, je nach Schwere Medikamente, Bewegung und Tagesstruktur. Ob Johanniskraut für dich infrage kommt, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Weitere homöopathische Verletzungsmittel sind Arnica und Ledum.
Häufige Fragen
Hilft Johanniskraut bei Depressionen?
Hochdosierte Extrakte haben in Studien bei leichten bis mittelschweren Depressionen geholfen. Bei schweren Depressionen reicht es nicht. Wegen der Wechselwirkungen nur nach ärztlicher Rücksprache.
Wirken Hypericum-Globuli wie Johanniskraut?
Nein. Die Globuli enthalten praktisch keinen Wirkstoff und haben deshalb weder die Wirkung noch die Wechselwirkungen des Extrakts.
Beeinflusst Johanniskraut die Pille?
Ja, Johanniskraut-Extrakt kann die Wirkung der Pille aufheben. Homöopathische Globuli tun das nicht.
Ist Johanniskrauttee wirksam?
Tee enthält deutlich weniger Wirkstoff als die in Studien verwendeten Extrakte. Für Depressionen ist er nicht ausreichend untersucht.


